NEOPREN & ATEMLUFT:

Wie man einen Neoprenanzug anzieht

Tauchausrüstung / 19. September 2017

Das anziehen des Neoprenanzugs gehört beim tauchen mit zu den schweisstreibensten Aktivitäten, neben dem schleppen der Ausrüstung und Flaschen aufs Boot. Je nachdem in welcher Region du tauchst, geht es allerdings ohne Anzug nicht. Hier ein paar Tipps, wie du dir das Leben vor dem tauchen, etwas leichter machen kannst.

Zuerst aber einmal sollten wir klären, woran ihr einen zu engen Neoprenanzug erkennt, den häufig quetschen sich Taucher einfach in einen viel zu engen Anzug, weil es keinen anderen in der Tauchschule oder Club gab. Zu enge Taucheranzüge können dich aber nicht richtig warm halten, sind unangenehm zu tragen, behindern und viel schlimmer noch, können dich unter Wasser in eine Situation bringen, die an Land nicht der Rede Wert ist, aber auf 30m Tiefe gefährlich werden kann.

Wenn dein Neoprenanzug dich beim atmen hindert oder deine Durchblutung stört, ist er zu eng!
Wenn dein Neoprenanzug unangenehm am Hals drückt oder zieht, ist er zu eng!
Wenn das Material von deinem Neoprenanzug sich zu stark überdehnt, ist er zu eng! In diesem Fall liegt er häufig an bestimmten Körperpartien nicht richtig an und erlaubt dem Wasser darin zu zirkulieren. Zirkulierendes Wasser ist aber das Übel, welches dir die Wärme raubt und dich schneller auskühlen lässt.  Dazu schreibe ich später noch einen Artikel, welcher sich mit der Notwendigkeit des Neoprenanzuges beschäftigen wird. An dieser Stelle will ich nur erklären, wie ihr am besten in den engen, aber nicht zu engen, Anzug hineinschlüpft, ohne das Ihr die ersten 50 bar Luft verbraucht habt, bevor Ihr an Grund angekommen seid.

ROKA Maverick X Wetsuit

ROKA Maverick X Wetsuit, ist ein High-Class Triathlon Wettkampf Anzug. Kostet 899 USD, bietet aber unglaubliche Performance

Bevor wir zu den Tipps kommen, gibt es aber noch eine kurze und kleine Materialkunde. Neopren ist eigentlich nichts anderes als der Markenname eines synthetisch hergestellten Chloropren-Kautschuk Materials der Firma Dupont. Also wenn man auf dem Tauchboot häufiger mal den Ausruf „Rein ins Gummi“ hört, dann ist dieses letztendlich richtig. In Form eines Tauchanzuges wird Neopren in verschiedenen Stärken hergestellt und dann mit einer textilen Oberfläche kaschiert. Für Sportarten wie Schwimmen und Triathlon gibt es auch Neoprenanzüge die nur von innen kaschiert sind, während sie von außen eine glatte und glänzende Oberfläche haben, sowie Gummi halt. Nicht nur das solche Anzüge dehnfähiger sind, sie bieten auch mehr Bewegungsfreiheit, wie es beim Schwimmen und Laufen benötigt wird. Der Nachteil ist, das das geschäumte Gummimaterial sehr schnell beschädigt wird und dann unansehnlich wird. Da wir TaucherInnen ohnehin unter Wasser sind, schlägt Funktion das Design und daher sind Tauchanzüge auch von außen kaschiert, wodurch ein kleiner Rempler oder Hänger am Riff dem Tauchanzug keine Beschädigung zufügt.

SIEBEN TIPPS UM BEIM ANZIEHEN NICHT AUS DER PUSTE ZU KOMMEN

1. Der Plastiksack Trick

Wenn man häufiger tauchen geht mit einem Tauchcenter und somit auch jedesmal neue Leute kennenlernt wird, man diesen Trick irgendwann live sehen. Man stülpt sich einen Gefrier-oder Plastikbeutel über den Fuß und gleitet in den Anzug hinein. Zieht ihn unten heraus und stülpt ihn über den anderen Fuß. Funktioniert auch mit den Händen. Sieht etwas blöd aus, aber hilft auf jedenfall, wenn der Neoprenanzug dicker und nicht zu weit ist. P

2. Pumpe dich auf 

Dieser Trick funktioniert am besten mit einem kleinen Silikonschlauch. Häufig steckst du in deinem Neoprenanzug drin, aber kriegst ihn nicht 100% an die richtige Stelle. Wenn du nun zu viel daran herumzerrst, läufst du Gefahr ihn zu beschädigen. Achtung Mädels: Fingernägel sind Gift für Neoprenanzüge. Bevor du also verzweifelst, schiebe einfach einen kleinen Silikonschlauch am Fußgelenk in den Anzug oder eben am Armgelenk und blase kräftig hinein. Die Luft hebt den Anzug an und Du kannst dich in diesem Moment im Anzug richtig positionieren. Es ist eben nach wie vor ein Gummimaterial. Mit der knallengen Jeans funktioniert dieser Trick eben nicht 😉 .

3. Fange mit der Innenseite an

Du kannst den Anzug auch komplett auf links drehen, mit den Füßen hineinsteigen und ihn dann nach oben rollen. Ähnlich wie das Mädels mit ihren Strumpfhosen machen. Allerdings brauchst du dafür ein wenig Platz, was auf einem Boot mit vielen Tauchern, die gerade dieselbe Übung ausprobieren, nicht sonderlich leicht ist.

4. Ziehe dich im Wasser an

Wenn das Wasser warm ist, kannst du auch einfach ins Wasser springen und dich dort anziehen. Das Wasser bildet eine Gleitschicht und so kannst du relativ easy in den engsten Neoprenanzug steigen. Mache das aber bloß nicht, wenn das Meer oder der See schon gut eisig kalt ist. Dann ist das weitere anlegen der Tauchausrüstung alles andere als spaßig. Funktioniert z.B. prima in den Tropen, wo du nur einen leichten und dünnen Neoprenanzug trägst.


5. Probiere eine Dive Skin

Mittlerweile gib es auch sogenannte Dive Skins. Das sind dünne Lycra Anzüge, die häufig als Schutz gegen Quallen benutzt werden. Sie eignen sich aber auch hervorragend als Unterzieher und darin gleitet man bequem in den Neoprenanzug.

6. Gleitmittel auf Wasserbasis

Wenn alles nichts hilft und du kommst partout nicht in deinen Neoprenanzug, dann kannst du auch Gleitmittel auf Wasserbasis verwenden wie z.B. das KY Jelly oder ähnliches. Achtung: Gleitgel ist nicht gleich Gleitgel. Ein ölhaltiges Gel zerstört deinen Neoprenanzug. Lasse deinen Neoprenanzug niemals in Kontakt kommen mit Öl und ähnlichen Stoffen.

7. Lasse Zipper an Armen und Beinen nachrüsten

Viele Neoprenanzüge haben Zipper am Bein und Arm. Vorallem ab 7mm sind solche Zipper meistens vorhanden, weil das Material nur noch mit sehr viel Kraftaufwand dehnbar ist und das Anziehen ohne wirklich schwierig wäre. Du kannst aber auch solche Zipper an deinen 3mm oder 5mm Anzug anbringen lassen. Das wird dir das Anziehen extrem erleichtern.

ZWEI EXTREM SCHLECHTE IDEEN!

1. Seife, Shampoo etc.
Seifen oder Shampoos als Gleithilfe einzusetzen sind eine echt schlechte Idee. Erstens belastest du damit unnötig die Umwelt und zweitens machen solche Hilfsmittel dein Neopren mit der Zeit steif und brüchig. Also lasse die Finger von diesen Hilfsmitteln.

2. Öl-basierte Gleitmittel
Wie schon oben beschrieben, Öle und ölhaltige Mittel zerstören deinen Neoprenanzug. Wie ich oben bereits einmal kurz erklärt habe, besteht dein Tauchanzug aus nichts anderem als aufgeschäumtes Gummi. Auch wenn dieses synthetisch hergestellt. wird es von Ölen und Fetten angegriffen und zerstört.


Fotos:
ROKA Maverick X Wetsuit – https://global.roka.com/collections/womens-wetsuits/products/maverick-x-fullsuit-women
C
RESSI – https://www.cressi.com/catalogue/cressitech.asp?id=832&new=0&img=832_castoro_2.jpg






Denis Sever-Seni




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